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Eine kleine Einführung

Bücher über Mosaik gibt es viele; Arten, wie man Mosaik praktizieren kann auch! Meine Werke werden vorwiegend mit hochwertigem Tiffany Glas anhand dem "direkten Verfahren" hergestellt. Hier finden Sie eine kleine Einführung im Bezug auf meine Arbeit.
 

Das Glas

Glas ist eine Materie, die sich sowohl heiss (etwa Glasblasen, Perlen drehen, Fusing) als auch kalt (etwa Tiffany Technik sowie Mosaik) verarbeiten lässt. Wenn das Glas heiss verarbeitet wird muss man auf die verschiedenen Hersteller bzw. Glasarten achten, da sie sich untereinander nicht unbedingt mischen lassen.

Im Mosaik wird das Glas "kalt" verarbeitet und aus diesem Grund muss ich zwischen verschiedenen Hersteller und Glasarten nicht unterscheiden. Ich benütze unter anderem Bullseye, Spectrum, Uroboros und Kokomo Glas sowie Spiegel und andere Glasarten nach Lust und Laune.

Richtig oder Falsch:
Man kauft das Glas in der Form, die nötig ist.

Das Glas wird in Platten geliefert, die ca. 600x900-1200mm gross sind. Diese Platten werden von Hand immer verkleinert, bis man auf die Stückgrösse kommt, die für das Werk nötig ist. Um Glas zu schneiden braucht man einen Diamantschneider - ein stiftartiges Werkzeug, das ein Ritz im Glas zieht. Dieser Ritz wird anschliessend gezielt gebrochen.

Richtig oder Falsch:
Das Glas wird willkürlich geschlagen und schon ist es in der richtigen Form!

Es ist nicht empfehlenswert, das Glas zu schlagen oder fallen zu lassen, um es zu verkleinern. Erstens ist es gefährlich aber vor allem (m.E.) ist es verschwenderisch! Glas bricht niemals in regelmässigen Formen, wenn es auf sich selber gestellt ist. Es bricht in allen möglichen Richtungen, in allen möglichen Grössen, und immer mit dermassen viel Splitter, dass Wunden unvermeidlich sind!

Auch wenn es so aussehen mag, als ob das Glas ohne „System" gebrochen und gelegt wurde, ist dem nicht so. Ein unregelmässiger Hintergrund muss auch überlegt werden und wird gezielt gelegt.
 

Das Objekt

Mosaik hat immer einen Träger. Der Träger gibt der Form an und verleiht dem Mosaik Stabilität. Als Träger dient z.B. eine Vase, eine Tischplatte, eine Wand oder gar ein Boden.

Ein flacher Träger ist viel einfacher zu bearbeiten als ein 3-dimensionaler, da man die Stücke im voraus auslegen und problemlos 1:1 übertragen kann. Eine 3-dimensionale Form ist schwieriger, weil die Flächen unregelmässig Gross und vor allem nicht flach sind. Eine einfache Linie ist auf einer unebenen Form nicht mehr einfach.

Stellen Sie sich die Weltkugel vor: wenn Sie am Nordpol anfangen und eine Linie bis zum Südpol ziehen ist das kein Problem. Wenn Sie noch eine Linie ziehen, die immer genau 1 km von der ersten Linie entfernt ist, sehen Sie schon die ersten Verkrümmungen. Ein paar solche Linien später und was als Senkrecht angefangen hat ist schon nicht mehr gerade. Es muss auch so sein: der Umfang der Weltkugel am Nordpol ist viel kleiner als der Umfang am Equator. Man braucht halt viel mehr - oder viel breitere - Linien am Equator als am Pol.

Genau so ist es mit z.B. einer Vase. Diese Krümmung muss immer miteinberechnet werden. Das macht es schwierig - aber auch spannend und herausfordernd!
 

Das Verfahren

Für meine Vasen benütze ich vorwiegend das direkte Verfahren, d.h. jedes Stück wird am richtigen Ort direkt in die Klebmasse gedruckt. Das Muster wird grob auf die Oberfläche gezeichnet, dann wird eine Auswahl an Glas geschnitten und bereitgestellt. Ich bereite aber sehr selten das Muster weiter vor; ich arbeite normalerweise "in dem Moment", d.h. ich bestreiche das Objekt mit Klebmasse und klebe direkt ein Stück nach dem Anderen, um das zu erreichen, was ich im Kopf habe.

Richtig oder Falsch:
Ich lege alles im voraus aus, bevor ich mit dem Kleben anfange.

Natürlich habe ich im voraus geplant, welche Farben und Formen ich gebrauchen werde. Natürlich messe ich auch im voraus, ob die Stückgrösse zur Form passt. (Jedes Stück sollte ganz auf der Oberfläche vom Objekt liegen - es sollten keine Ecken ausstehen bzw. höher stehen, als das Stück nebenan.) Wenn ich mit meiner Wahl zufrieden bin, schneide ich eine Menge Glas und lege ohne weiteren Plan los! Jedes Werk entsteht so zu sagen "spontan". Eine Kursteilnehmerin von mir hat es "Chaos mit System" genannt, was ich sehr passend finde!

Wenn es so aussieht, als ob jedes Stück geplant wurde, wenn die Stücke anscheinend genau zusammenpassen, dann ist es Erfahrung, die das möglich macht.


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